Erfahrungsbericht: Do’s und Don’ts bei der Einführung von digitalem Lernen

Dr. Johannes Schiebener,
Consultant, reflact AG

Auf der LEARNTEC haben wir spannende Gespräche mit vielen L&D Verantwortlichen geführt, darunter auch große und bekannte Unternehmen. Oft haben wir gehört: „Wir wollen das Lernen digitalisieren, stehen aber noch ganz am Anfang“ oder „Wir haben zwar einige digitale Lernangebote, das meiste findet aber eigentlich noch in Präsenz statt“. Dabei haben alle gemeinsam, dass sie schnell mit der Einführung von digitalem Lernen starten wollen, weil sie sich davon ein hochwertigeres, attraktiveres Lernangebot versprechen.

Die Investitionen zu Beginn erschrecken die meisten L&D Verantwortlichen nicht mehr, da sie wissen, dass diese sich auszahlen. Und zwar selten, weil Trainer und Dozenten eingespart werden sollen – diese sind unerlässlich, um die großen Mengen an Content zu produzieren und aktuell zu halten, Blended Learning Prozesse zu entwerfen und Webinare sowie Präsenzphasen zu moderieren. Vielmehr lohnen sich die Investitionen, da die Lerner sich effektiver weiterentwickeln und dazu nicht ihren Arbeitsplatz für längere Zeit verlassen müssen und dabei aus den täglichen Aufgaben herausgerissen werden.

In dieser Anfangsphase des Einführens von digitalem Lernen wünschen sich viele L&D Verantwortliche Orientierung bei den vielfältigen Möglichkeiten zur Optimierung des Lernprozesses, wie beispielsweise: Ein vielseitiger Medienmix, einfache Pflege und Aktualisierung sich schnell ändernder Inhalte, Verzahnung mit Präsenztrainings, mobiles Lernen, soziales Lernen, pragmatische Content-Produktion, neu Schnittstellen, Motivation durch Gamification und die Auswahl der passsenden Lernmanagementsysteme.

Schicke Tools und der Wunsch sofort loszulegen sind verlockend. Häufig ist jedoch nicht leicht zu überblicken, was tatsächlich zum Unternehmen und den Anforderungen der Lerner passt. Es ist entscheidend, sich zunächst einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen, die eigene personelle, organisatorische und finanzielle Aufstellung zu kennen und Budget und Personal richtig einzusetzen.

Aus unserer langjährigen Erfahrung mit zahlreichen Kundenprojekten haben wir hier einige Do’s und Don’ts bei der Einführung von digitalem Lernen zusammengestellt.

reflact "L&D Future Land"

Im reflact „L&D Future Land“ haben wir aus zahlreichen Kundenprojekten und der Recherche im internationalen Netzwerk zentrale Erfolgsmerkmale herausgearbeitet, von denen wir überzeugt sind, dass sie für eine zukunftsfähige Aufstellung von Learning & Development zentral sind.

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Do’s

Erst denken, dann handeln
Der Wunsch nach schnellen Ergebnissen ist nachvollziehbar. Aber Schnellschüsse, bei denen nicht alle Handlungsebenen frühzeitig und systematisch eingeplant werden (Strategie, Werkzeuge & Systeme, Konzeption & Didaktik, Umsetzungsprozess), enden oft in zeit- und kostenfressenden Bemühungen, die weder die Lerner noch die L&D Verantwortlichen zufrieden stellen.
Betroffene an Bord holen
Die Einführung von digitalem Lernen ist ein Veränderungsprozess, der viele betrifft und der von vielen mitgetragen und getrieben werden muss. Von den Projektverantwortlichen über Führungskräfte und Budgetgeber bis hin zu Betriebsrat und Lernern. Wenn sie erfolgreich sein wollen, müssen sie alle Beteiligten auf ihrer Seite haben und ihnen passende Rollen im Prozess anbieten!
Feedback einholen
Dozenten, Fachexperten, Lerner und andere Beteiligte sollten befragt werden: Wie kommt das neue Lernangebot an, was könnte man noch verbessern?

Don’ts

Spontan shoppen gehen
Spontane Käufe – z.B. von Lizenzen für Autorensoftware – geschehen oft ohne eine durchdachte, rahmengebende Strategie, ohne didaktische Überlegungen oder Klärung interner Produktionsprozesse. Die Erkenntnis, dass der Produktionsaufwand gar nicht zu stemmen ist oder die Funktionen der Software für die Lernziele zu kurz greifen, kommt dann in der Regel zu spät und hat unangenehme Folgen.
Verkomplizieren
Pragmatismus ist oft besser als zu hohe Ansprüche. Beginnen Sie nicht gleich mit allen Formaten auf einmal, sondern suchen sie die wichtigsten aus und arbeiten Sie dort mit einem vernünftigen und pragmatischen Qualitätsanspruch.
Rundumschlag
Versuchen Sie nicht sofort alle Lernangebote zu digitalisieren. Lieber erst mit einem Piloten starten, systematisch Feedback einholen und das Gelernte beim Vollausbau beachten.